Das italienische Label Max Mara verzichtet von jeher auf Stars als Werbeträger. Was würde es bringen, wenn Schauspielerinnen ein halbes Jahr in einer Kampagne ihr Gesicht für sie hergäben, bevor sie dasselbe für die nächste Marke täten, hatte Achille Maramotti gesagt, der vor vier Jahren verstorbene Gründer von Max Mara. Er wollte keine Stars, die für seine Marke werben. Und auch keine, die sie kreieren. Im Atelier von Max Mara im italienischen Reggio Emilia haben über die Jahre grosse Designer wie Karl Lagerfeld, Jean-Charles de Castelbajac, Domenico Dolce und Stefano Gabbana entworfen. Doch davon erfuhr die Kundin höchstens im Nachhinein. Achille Maramotti wollte die Marke festigen, nicht einzelne Designer hervorheben. Ihm ging es nie um den grossen Auftritt, sondern ums Handwerk. Und um die Liebe zum Stoff, die in der Familie liegt. Die Urgrossmutter von Achille Maramotti, Marina Rinaldi, führte ab 1850 ein Schneideratelier in Reggio Emilia. Nach ihr ist heute eine Linie für grosse Grössen benannt, die zum Unternehmen gehört. Ihre Enkelin Giulia Fontanesi führte eine Schule für Schnitttechnik und schrieb bis heute beachtete Bücher zum Thema.
Achille Maramotti selber hatte als junger Mann Jura studiert. Doch dann erkannte er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg das wachsende Bedürfnis der Leute nach in grossen Mengen produzierten Qualitätskleidern und gründete 1951 sein Textilunternehmen. Zuerst produzierte er unter dem Label Maramotti Confezioni. Später gab er der Firma ihren heutigen Namen, der sich wie folgt ergeben haben soll: Mara war sein Übername, Max der Name eines in der Nähe wohnhaften Grafs, der stets beschwipst, aber auch stets gut angezogen war. Achille Maramotti, der als einer der Vorreiter des Prêt-à-porter gilt, setzte im Design von Anfang an auf schlichte Beständigkeit, Max Mara steht seit über fünfzig Jahren für zeitlose schnörkellose Kleider und schöne Mäntel, gemacht für stilvolle, selbstbewusste Frauen. Dank Achille Maramottis Spürsinn im wirtschaftlichen Bereich gab es diese schon früh in Asien zu kaufen. Ende der Achtziger, lange bevor andere Modemarken Asien als neues Kundenmekka entdeckten, eröffnete er einen Laden in Hongkong. Heute gibt es in China rund 200 Max Mara-Boutiquen, weltweit sind es über 600.
2005 starb Achille Maramotti im Alter von 78 Jahren,. Heute führen seine drei Kinder Luigi, Ignazio und Maria Ludovica das Haus ebenso diskret und erfolgreich weiter: Während der Prêt-à-porter-Schauen in Mailand wurde kürzlich ohne Pomp und Stars der weltweit grösste Flagship Store an bester Lage nach umfänglichen Renovationen neu eröffnet, in dem es etwa auch die jüngere Linie Sportmax zu kaufen gibt. Zudem wurde unter dem Label Max Mara Atelier eine neue Minikollektion von exklusiven Mänteln für nächsten Winter präsentiert – kreiert von namenlosen Topdesignern im Atelier von Reggio Emilia.