Gianfranco Ferré ist mehr als nur ein Modelabel oder eine Laufstegkollektion. Der in 2007 verstorbene Modedesigner Gianfranco Ferré hatte nämlich noch ganz andere Dinge im Kopf. Angefangen hatte seine Karriere als Architekt, was ihm auch den gängigen Übernamen „Architekt der Mode“ einbrachte. Doch was macht ein Architekt, wenn er keinen Job findet? Genau, er entwirft einfach etwas anderes, in seinem Fall zuerst Möbel, dann Mode. Ganz nebenbei trug der Mailänder Ferré ab den 80er Jahren zum Weltweiten Erfolg Mailands als Modemetropole bei. Seine erste Kollektion unter eigenen Namen erschien dann 1978. Gut 10 Jahre später war er bereits künstlerischer Direktor bei Christian Dior.

Seine Experimentierfreude mit Formen, Farben und ungewöhnlichen Materialien wie beispielsweise Metall machten ihn für das Unternehmen zur perfekten Besetzung. Die Franzosen sahen der Wahl mit gemischten Gefühlen entgegen. Während einige Ferré als Reinkarnation Diors feierten, betrachteten andere seine Ernennung als Skandal. Schliesslich hatte bislang noch kein Italiener für das französische Modehaus entworfen. Die Kritiker verstummten, als Ferré für seine Arbeit bei Dior mit Auszeichnungen wie dem “Goldenen Fingerhut”, einer Art Oscar der Mode, geehrt wurde. Gekrönt wurde dieser Erfolg schliesslich durch die sechsmalige Auszeichnung zum italienischen Designer des Jahres.

“Es war acht Jahre lang eine aussergewöhnliche Erfahrung, und ich bereue nichts”, sagte Ferré einst über die Zusammenarbeit mit dem Couturehaus. Böse Worte rutschten nicht über seine Zunge, auch wenn man ihn 1996 gegen den britischen Jungdesigner John Galliano austauschte. Nach seinem Rauswurf kümmerte sich Gianfranco Ferré vor allem um sein eigenes Modeunternehmen, das er bereits 1978 gegründet hatte. Bis heute sind 21 Kollektionslinien entstanden, die allesamt das Logo GFF tragen. Ferré hinterlässt die Grianfranco Ferré S.p.A., welche unter anderem die Hauptlinie für Männer und Frauen Gianfranco Ferré, Ferré Milano für Otto-Normalverbraucher und die sportliche Linie GF Ferré koordiniert. Diese gehört seit 2002 der IT-Holding, welche 2009 Konkurs anmeldete und somit ein grosses Fragezeichen hinter die Zukunft des Modelabels setzte.

Klassische Coolness trifft moderne Weiblichkeit und dazu architektonisch anmutende Stilmittel – das machte den Look des alten Meisters aus. Die Markenzeichen von Gianfranco Ferré sind nach wie vor das weisse Hemd für Männer, bzw. die schlichte weisse Bluse für Damen, sowie elegante Abendroben in architektonischen Schnittformen. Für die Weiterführung von Ferrés Stil sind seit 2008 die Chefdesigner Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi verantwortlich, die ihr Können unter anderem auch schon bei Prada unter Beweis stellten. Ein Blick auf die neuste Accessoire Kollektion lässt keine Zweifel offen, dass Gianfranco Ferré auch in diesem Bereich dick im Geschäft ist. Flechtmuster finden sich harmonierend in Damenhandtaschen und High Heels wieder, während bei den Männern die Farbe Schwarz der rote Faden zu sein scheint. Spätestens beim Anblick der nadeldünnen Beistiftabsätze wird auch klar, dass Gianfranco Ferré zum Glück nie zum Errichten von Häusern kam, sondern vom Schicksal gerade noch rechzeitig auf die richtige Bahn gelenkt wurde.